Rückspiel in der Relegation zur 3. Liga: Würzburger Kickers gegen 1. FC Lokomotive Leipzig

41

Rückspiel der Relegation zur 3. Liga – Es ist ein Duell auf Messers Schneide, auf das sich die Würzburger Kickers und der 1. FC Lokomotive Leipzig vorbereiten. Der Aufstieg in den Profifußball ist die Krönung einer langen, kräftezehrenden Saison. Nach dem 1:0-Hinspielsieg der Würzburger in Leipzig haben die Kickers nicht nur den Heimvorteil auf ihrer Seite, doch genau darin liegt für die Gäste auch eine Chance. Während die Kickers im heimischen Dallenberg den letzten Schritt gehen wollen, reist der 1. FC Lokomotive Leipzig mit dem festen Glauben an die eigene Auswärtsstärke nach Unterfranken.

1. FC Lokomotive Leipzig und Würzburger Kickers in der Relegation: Der Kopf spielt mit

„Fußball wird mit dem Kopf gespielt. Die Füße sind nur das Werkzeug.“ Dieses Zitat von Andrea Pirlo bringt die Ausgangslage vor dem Rückspiel zwischen dem 1. FC Lokomotive Leipzig und den Würzburger Kickers auf den Punkt. Denn so sehr es auf dem Platz um Zweikämpfe, Technik und Taktik geht, werden enge Spiele oft durch mentale Stärke entschieden. Auch wenn sich die Würzburger Kickers im Hinspiel in Leipzig bärenstark als kompakte, reife und extrem stabile Einheit präsentierten, ist im Rückspiel im Dallenberg noch alles möglich.

Der knappe 1:0-Vorsprung ist dabei zugleich Vorteil als auch Gefahr. Würzburg geht zwar mit der besseren Ausgangsposition in die Partie, doch genau das kann etwas in den Köpfen der Spieler verändern. Plötzlich entsteht diese Erwartungshaltung, dieser Druck, den Vorsprung über die Zeit bringen zu müssen. Diesen Aspekt hob Lok-Trainer Jochen Seitz im Vorfeld hervor und betonte die Chance für sein Team, denn Würzburg habe „jetzt auch etwas zu verlieren“. Für die Kickers bedeutet das eine Gratwanderung zwischen aktivem Spiel nach vorne und Spielkontrolle. Zu große Passivität kann einen spielstarken Gegner wie Lok Leipzig ins Spiel bringen, zu hohes Risiko öffnet Räume, die im Hinspiel konsequent verteidigt wurden.

Lok Leipzig hingegen haderte nach dem Hinspiel mit der eigenen Effizienz. Zwar war der Einsatz hoch, doch im letzten Drittel fehlte die nötige Präzision. „Wir müssen torgefährlicher werden und die Standards besser ausführen“, analysierte Seitz nach der Partie. In solchen Spielen können verpasste Chancen schnell entscheidend sein. Sollte dem 1. FC Lokomotive Leipzig auf der anderen Seite jedoch ein schneller Treffer gelingen, schlägt das Momentum auf ihre Seite – und das könnte spielentscheidend werden.

Würzburger Kickers: Ein Schritt vom Ziel entfernt

90 – Die Zahl des Tages bei den Würzburger Kickers. 90 Minuten trennen die Unterfranken noch von der Rückkehr in die 3. Liga. Nach Jahren des Umbruchs und sportlicher Unruhe hat sich die Mannschaft unter Michael Schiele stabilisiert und wirkt im Saisonendspurt gefestigt wie selten in der jüngeren Vergangenheit. Der 1:0-Erfolg in Leipzig stand dabei sinnbildlich für die neue Stärke: konzentriert, diszipliniert und – wie es so schön heißt – „erwachsen“. Als „brutal seriös“ beschrieb Abwehrchef Daniel Hägele den Auftritt, bei dem die Defensive um ihn und seinen Nebenmann kaum etwas zuließ. Auch Torhüter Hipper musste in Leipzig nur selten eingreifen.

Die defensive Stabilität war schon in der regulären Saison ein Punkt, der sich positiv im Spiel der Würzburger abhob. Kaum ein Regionalliga-Team kassierte in dieser Saison weniger Gegentore als die Kickers. Personell kann Würzburg nahezu aus dem Vollen schöpfen. So kehrten Luke Hemmerich sowie die zuletzt angeschlagenen Philipp Ochs und Eroll Zejnullahu ins Mannschaftstraining zurück und erweitern die Optionen für das Rückspiel. Schiele ist sich seiner Chance bewusst, fordert jedoch eine konzentrierte Herangehensweise: „Wenn wir noch einmal so eine Partie abliefern, dann sieht es gut aus.“

1. FC Lok Leipzig: Mut zum Risiko?

„Wir müssen das Hinspiel jetzt gut analysieren und dann sehen, wie wir in Würzburg auftreten“, blickt Jochen Seitz auf das Rückspiel voraus. Für den Trainer des 1. FC Lokomotive Leipzig ist die Marschrichtung nach dem 0:1 im Hinspiel klar. Seine Mannschaft müsse „mehr Zweikämpfe gerade im letzten Drittel gewinnen, torgefährlicher werden und Standardsituationen besser ausführen“. In diesen Bereichen sei Würzburg im ersten Duell den entscheidenden Tick konsequenter gewesen.

Trotz des Rückschlags nach den ersten 90 Minuten will der Lok-Coach die Situation nicht dramatisieren. Man wisse um die Ausgangslage, aber auch um die eigenen Chancen. „Würzburg im Rückspiel klar im Vorteil zu sehen, ist richtig“, so Seitz, der zugleich den psychologischen Druck eher beim Gegner verortet: „Würzburg hat jetzt etwas zu verlieren, wir können eigentlich nur noch gewinnen.“ Entsprechend wolle man sich vom Ergebnis nicht entmutigen lassen, sondern mit positiver Haltung ins Rückspiel gehen und alles daransetzen, die Partie noch zu drehen und den Aufstiegsweg offen zu halten.

Auch Geschäftsführer Toni Wachsmuth ordnet den Rückstand als lösbare Aufgabe ein. Ein Tor Unterschied sei „machbar“, betont er und vergleicht die Situation mit einer Halbzeit: „Wenn man 0:1 zurückliegt, bleibt man auch nicht in der Kabine.“ Gleichzeitig verweist er auf die eigene Stärke in der Fremde. Lok habe in der Regionalliga Nordost auswärts konstant überzeugt und sei in der Lage, auch bei Topteams zu bestehen. Für das Rückspiel fordert Wachsmuth deshalb vor allem mehr Zielstrebigkeit und Mut im Offensivspiel. Seine Mannschaft müsse „eine Schippe draufpacken“, um die eigenen Möglichkeiten konsequenter auf den Platz zu bringen.

Würzburger Kickers – 1. FC Lok Leipzig

Anstoß: Montag, 01.06., 18:30 Uhr
Spielort: AKON Arena, Würzburg