Die SpVgg Unterhaching hat sich gegen Ende der Saison der Regionalliga Bayern gegen den sportlich möglichen Aufstieg in die 3. Liga entschieden. Was bei der Entscheidung wie eine vergebene Chance wirkt, stellen die Verantwortlichen als klares Signal in Richtung wirtschaftlicher Vernunft und langfristiger Kaderentwicklung dar. Statt den Schritt in den Profifußball zu gehen, bleibt der Klub aus dem Münchner Süden bewusst in der Regionalliga und fokussiert sich auf finanzielle Stabilität sowie die konsequente Förderung junger Talente. Doch wie geht es für den Kult-Klub nach dem personellen Aderlass aufgrund des Aufstiegsverzichts weiter? Rutscht die Spielvereinigung noch weiter in das sportliche Niemandsland oder formt sich eine mittelfristig konkurrenzfähige Mannschaft aus dem eigenen Nachwuchs?
Zwischen Enttäuschung und Prinzip: Unterhaching bleibt seinem Weg treu
„Es hat nicht sollen sein“, „Gut Ding will Weile haben“ oder auch „Was lange währt, wird endlich gut“ – diese Redewendungen bringen die Haltung bei der SpVgg Unterhaching auf den Punkt. Der mögliche Aufstieg in die 3. Liga ist sportlich zwar greifbar gewesen, wirtschaftlich aber nicht darstellbar. Präsident Manfred Schwabl hatte die Richtung früh klar umrissen: Die Rahmenbedingungen für einen nachhaltigen Schritt in den Profifußball seien „schlicht nicht gegeben“.
Und so wird aus einer (vermeintlich) verpassten Chance die konsequente Fortsetzung einer Idee, die in Unterhaching längst gewachsen ist. Lieber Stabilität und Weitblick statt Risiko – sowohl sportlich als auch finanziell. Der Kern der Hachinger Philosophie beginnt mit einer für diese Zeit untypischen Herangehensweise: Weg von erzwungenem Aufstieg und schnellem Erfolg hin zu einer langfristigen Entwicklung. Dennoch spricht Schwabl von einer großen Enttäuschung für Fans und Spieler nach einer starken Saison, auch wenn man das Ziel nicht aus den Augen verlieren werde. Besonders bei den Spielern wird diese Enttäuschung durch das Verlassen des Vereins deutlich.
Aderlass in Unterhaching: Ein Dutzend Abgänge und offene Fragen
Insgesamt verlässt rund ein Dutzend Spieler den Regionalligisten, darunter auch mehrere Stammkräfte. So wechselt Leistungsträger Simon Skarlatidis zum FC Erzgebirge Aue und unterstützt dort nach dem Abstieg in die Viertklassigkeit den Neustart, während Christoph Ehlich und Tim Hannemann neue Ziele anstreben. Das Problem: Bei der Spielvereinigung fehlt die Perspektive.
Doch auch Spieler mit geringer Einsatzzeit ziehen weiter. Das zum Ligakonkurrenten TSV Buchbach wechselnde Duo Tizian Zimmermann und Leo Kainz kam in der abgelaufenen Saison nur sporadisch zum Einsatz, ebenso wie Marc Zimmermann, Nicolas Böhnke und Jason Eckl. Letzterer, 18 Jahre alt und mit 16 Treffern Leistungsträger der Landesliga-Mannschaft, kehrt nach eineinhalb Jahren im Sportpark zu seinem Stammverein FC Bayern zurück.
Ebenso verlässt der im Winter vom FC Bayern II ausgeliehene Stürmer Richard Meier sowie der jüngste Drittliga-Torschütze Gibson Adu den Klub und kehrt zum deutschen Rekordmeister zurück. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie die entstehenden Lücken künftig geschlossen werden sollen.
Unterhaching setzt auf den eigenen Nachwuchs
Noch hat die SpVgg Unterhaching keinen externen Neuzugang für die kommende Saison präsentiert. Das fügt sich in die klare Linie des Klubs ein, der bewusst auf einen zurückhaltenden Umgang am Transfermarkt setzt. Statt „hektischer Transfers“ vertraut der Verein weiterhin auf das, „was im eigenen Haus gewachsen ist“, und ergänzt nur dort, wo es sportlich wie charakterlich wirklich passt.
Die Idee dahinter ist ebenso schlicht wie konsequent: Eigene Talente sollen früh Verantwortung übernehmen, Spielpraxis sammeln, ihren Marktwert steigern und im besten Fall hohe Transfererlöse erzielen. Namen wie Karim Adeyemi, Nico Mantl oder Maurice Krattenmacher stehen im Klub als Beispiele für diesen eingeschlagenen Weg, der in den vergangenen Jahren bereits mehrfach Früchte getragen hat.
„Wir müssen unsere Spieler selbst entwickeln“, lautet sinngemäß die Leitlinie, die das Denken im Sportpark prägt. Mit dem erst 17-jährigen Wesley Krattenmacher hat der Verein schon jetzt eine Spielerpersönlichkeit in den eigenen Reihen, die dem Konzept maßgeschneidert entspricht. Schon in der abgelaufenen Spielzeit wurde der Mittelfeldregisseur nicht nur an den Kader herangeführt, sondern auch zur Führungsfigur.
Mit weiteren Jugendspielern aus dem eigenen Nachwuchs soll diese Spielidee nun fortgeführt werden. Für Trainer Sven Bender bedeutet diese Ausrichtung zwangsläufig größere Entwicklungsarbeit und ein erhöhtes Risiko, Lehrgeld zahlen zu müssen. Gleichzeitig eröffnet sie die Chance, eine Mannschaft aufzubauen, die weniger von Namen und Ego als von Identität lebt.
Die spannende Frage bleibt: Reicht das, um die starke Leistung der Vorsaison zu bestätigen, oder rutscht die Mannschaft ins Mittelmaß ab, weil schlicht die Erfahrung fehlt? Um die notwendige Erfahrung sammeln zu können, verzichtet Unterhaching in der Vorbereitung auf große Härtetests gegen Proficlubs. Stattdessen kommen die Gegner aus dem Amateurbereich – eine Ausnahme bildet der Test gegen den SSV Jahn Regensburg.
Der Auftakt in die neue Saison erfolgt am 15. Juni, wenn Bender seine neu zusammengesetzte Mannschaft im Uhlsportpark zur ersten Einheit bittet. Danach folgt der nächste Baustein im Trainingslager in Schlanders in Südtirol ab dem 29. Juni.