Beim SV Sandhausen geht ein turbulentes Kapitel zu Ende: Nach dem 0:2 im Krisenduell gegen Kickers Offenbach ist für Trainer Olaf Janßen Schluss. Der 59-Jährige hatte den Klub nach dem Abstieg aus der 3. Liga übernommen – mit dem Ziel, das Team nach dem großen Umbruch sportlich weiterzuentwickeln. Doch trotz klarer Ideen und intensiver Arbeit blieb der erhoffte Fortschritt aus, die Leistungen verschlechterten sich zuletzt sogar.
Mangelnde Konstanz trotz taktischer Flexibilität
Die Idee, die Janßen mitbrachte, zeigte sich in einem flexiblen System, das je nach Spielsituation zwischen einer Dreier- und einer Viererkette variierte. Gerade diese Variabilität sollte klare Vorteile mit sich bringen. Mit dem Dreieraufbau stand dem SV Sandhausen in Ballbesitzphasen eine zusätzliche Anspielstation zur Verfügung. So kann man sich auch unter hohem Druck über Dreiecksbildungen aus dem Gegenpressing lösen. Gleichzeitig schafft man durch breit stehende Schienenspieler Breite im Spielaufbau. Die Viererkette hingegen sollte für defensive Stabilität sorgen: klare Zuordnungen im Stellungsspiel und bessere Absicherung bei Gegenstößen. Doch genau die fehlte wie zuletzt gegen Offenbach, als die Restverteidigung fehlte und durch schnelle Gegenangriffe überrumpelt wurde.
Zentral davor setzte Janßen auf eine Doppelsechs, die das Mittelfeld verdichtete und die Räume vor der Abwehr eng machte. Über diese Absicherung hinaus sollten die Außen und das offensive Mittelfeld das Spiel gestalten und kontrolliert in die Offensive vorstoßen. In der Theorie klingt das simpel, doch in der Praxis fehlten häufig das Tempo und die nötige Kreativität, um die Angriffe wirklich durchschlagskräftig zu machen. Die Defensive blieb stabil, solange das Mittelfeld seine Ordnung hielt. Allerdings begann diese zuletzt zu bröckeln – mangelnde Konstanz und Durchschlagskraft waren die Folge. Als einziges Team aus der oberen Tabellenhälfte hat Sandhausen ein negatives Torverhältnis.
Zurück zu den Basics: Erfolg durch Einfachheit
Bis zum Ende der Saison übernimmt Kevin Stotz interimistisch. Mit 35 Jahren bringt er Erfahrung aus Nachwuchsleistungszentren (FC Bayern, TSG Hoffenheim), Co-Trainerstationen unter Felix Magath, Auslandsstationen und Cheftrainererfahrung mit. Sein Ansatz ist pragmatisch, in vielen Fällen jedoch erfolgreich: zurück zu den Basics wie Leidenschaft, Kampf und einfachem Spiel. „Wir wollen nichts verkomplizieren, wir wollen einfachen Fußball spielen“, sagt er vor dem Osterspiel gegen den Tabellenzweiten SG Sonnenhof Großaspach.
Taktisch dürfte das weniger Ballbesitz, dafür jedoch ein direkteres Spiel in die Spitze bedeuten. Das Team soll stabil stehen, schnell nach vorne umschalten und sich auf die Stärken im Konterspiel konzentrieren. Für Stotz spielen jedoch nicht nur die körperliche Verfassung und technische Fertigkeiten eine Rolle – Fußball spielt sich auch im Kopf ab. Beim Blick auf die Trainingswoche wird schnell klar, worauf der Fokus lag: Mit Spaß und Freude den Kopf freibekommen und die Stimmung im Team verbessern. Gleichzeitig arbeitete Stotz bereits an ersten Stellschrauben, um das Spiel gezielt anzupassen. Das ausgerufene Ziel für das Wochenende: Bei großem Respekt gegenüber der SG Sonnenhof Großaspach punkten und die Saison nicht einfach auslaufen lassen.
Kompakte Defensive, schnelle Umschaltmomente und einfache, klare Strukturen – ein pragmatischer Ansatz, der kurzfristig Sicherheit bringen kann, langfristige Weiterentwicklung jedoch nur begrenzt erlaubt. Mit den Basics soll im weiteren Saisonverlauf der Erfolg zurückkehren, um sich in der Sommerpause akribisch vorzubereiten, weiterzuentwickeln und mit einem guten Gefühl in die neue Saison zu starten. Ob der erste Schritt nach nur wenigen Trainingseinheiten gelungen ist, wird das Spiel gegen den Aufstiegsanwärter zeigen.