Was war das doch für eine Saison für die VSG Altglienicke in der Regionalliga Nordost. Nach einer langen Negativserie zog der Verein im März die Reißleine und trennte sich von Trainer Ersan Parlatan. Es folgte ein bemerkenswerter Leistungsanstieg, der die Berliner noch auf Rang sechs der Abschlusstabelle führte. Als Krönung sicherte sich die VSG mit einem 2:1-Erfolg nach Verlängerung gegen den BFC Dynamo den Berliner Landespokal und damit die Qualifikation für den DFB-Pokal.
Einer der Hauptverantwortlichen für diese Entwicklung stand dabei an der Seitenlinie: Dan Twardzik. Der bisherige Interimstrainer übernahm die Mannschaft in einer schwierigen Phase und stabilisierte sie innerhalb weniger Wochen. Wie nachhaltig der 35-Jährige die Verantwortlichen beeindruckt hat, zeigt die jüngste Entscheidung des Vereins: Aus der Übergangslösung wird eine Dauerlösung. Twardzik wird die VSG Altglienicke auch in der Saison 2026/27 als Cheftrainer anführen.
Vom Torwarttrainer zum Hoffnungsträger
Dan Twardzik ist in Altglienicke längst kein Unbekannter mehr. Der am 13. April 1991 im tschechischen Třinec geborene Deutsch-Tscheche blickt auf eine enge Verbindung zum Verein zurück. Als aktiver Spieler stand er dreieinhalb Jahre zwischen den Pfosten der VSG und beendete 2021 seine Laufbahn. Anschließend wechselte er direkt in den Trainerstab und arbeitete zunächst als Torwarttrainer sowie Co-Trainer in verschiedenen Junioren-Teams des Vereins. Seine Trainerlaufbahn führte ihn bis in den Trainerstab der Regionalligamannschaft.
Die Trainergene liegen ihm dabei gewissermaßen im Blut. Sein Vater René Twardzik war selbst Profi-Torhüter und später langjähriger Torwarttrainer. Auch seine Brüder Patrik und Filip sind im Profifußball aktiv beziehungsweise aktiv gewesen. Für Twardzik ist die Rolle als Cheftrainer übrigens nicht die erste Beförderung innerhalb des Vereins. Bereits in der Saison 2024/25 sprang er nach der Trennung von Semih Keskin interimsweise ein. Nun erhält er erstmals die Möglichkeit, eine Spielzeit von Beginn an als verantwortlicher Cheftrainer zu gestalten.
Kontinuität statt Revolution: Warum Twardzik überzeugte
Bemerkenswert an Twardziks Amtszeit war vor allem, dass er keine grundlegende Systemumstellung vornahm. Während viele Interimstrainer zunächst mit taktischen Experimenten auffallen, setzte der 35-Jährige auf Kontinuität. Das bevorzugte 4-2-3-1 blieb bestehen, die grundsätzlichen Abläufe wurden nicht über Bord geworfen. Der Unterschied lag vielmehr in den Details.
Unter Ersan Parlatan holte die VSG aus den letzten zehn Ligaspielen vor dem Trainerwechsel drei Siege, vier Unentschieden und drei Niederlagen. Dabei erzielten die Berliner 14 Treffer und kassierten 15 Gegentore.
Unter Twardzik präsentierte sich die Mannschaft deutlich stabiler. In elf Pflichtspielen unter Twardzik gelangen fünf Siege, vier Unentschieden und die VSG kassierte lediglich zwei Niederlagen. Gleichzeitig verbesserte sich die Torbilanz erheblich: 21 erzielte Treffer bei nur 11 Gegentoren sprechen für eine Mannschaft, die sowohl offensiv zielstrebiger als auch defensiv kompakter auftrat. Die VSG wirkte strukturierter im Pressing, verteidigte Umschaltsituationen konsequenter und reduzierte individuelle Fehler deutlich. Gleichzeitig blieb die offensive Grundidee erhalten. Die Berliner suchten weiterhin den direkten Weg nach vorne, kombinierten jedoch zielgerichteter und nutzten ihre Offensivqualität effektiver aus.
Das Ergebnis war eine Herangehensweise, die die Mannschaft nicht nur aus ihrer schwierigen Phase führte, sondern sie auch zum Pokalsieg trug. Aus einem Team, das zwischenzeitlich Gefahr lief, eine enttäuschende Saison im Tabellenmittelfeld auslaufen zu lassen, wurde wieder eine konkurrenzfähige Spitzenmannschaft der Regionalliga Nordost.
Vertrauen der Vereinsführung
Dass die Verantwortlichen diesen Weg nun fortsetzen möchten, überrascht deshalb kaum. Noch rund um den „Finaltag der Amateure“ hatte Sportchef Torsten Mattuschka die Zukunft des Trainers offen gelassen. Die Vereinsführung befinde sich in einer Findungsphase und prüfe verschiedene Kandidaten. Gleichzeitig lobte Mattuschka die Arbeit des Trainerteams um Twardzik und Co-Trainer Björn Brunnemann ausdrücklich.
Nach intensiven Gesprächen fiel die Entscheidung nun zugunsten des bisherigen Interimstrainers aus. Ein klares Signal für Kontinuität und die Anerkennung der Leistungen der vergangenen Monate. Twardzik selbst hatte bereits nach dem Pokalsieg durchblicken lassen, dass die Gespräche mit dem Verein in eine positive Richtung laufen. Seine Verbundenheit zur VSG machte er dabei erneut deutlich: „Ich habe dem Verein einiges zu verdanken.“
Ein Satz, der die besondere Beziehung zwischen Trainer und Klub treffend beschreibt. Wenn die VSG Altglienicke am 15. Juni in die Vorbereitung auf die Saison 2026/27 startet, wird erstmals nicht mehr die Frage im Raum stehen, wer die Mannschaft künftig führen soll. Die Antwort haben die Verantwortlichen gegeben: Der Mann, der die turbulente Saison erfolgreich zu Ende brachte, soll nun Twardzik das nächste Kapitel schreiben.