BFC Dynamo setzt auf Kontinuität: Sven Körner will dem schlafenden Riesen neues Leben einhauchen

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Von der Rettungsmission zur klaren Vision: Als Sven Körner im Dezember 2025 nach der Trennung von Dennis Kutrieb vom Co- zum Cheftrainer des BFC Dynamo aufstieg, blieb kaum Zeit für große Veränderungen. Zwischen seiner Beförderung und dem ersten Pflichtspiel gegen den BFC Preussen im Berliner Landespokal lagen nur wenige Tage. Viel mehr als eine mentale und taktische Soforthilfe war damals nicht möglich.

Ein halbes Jahr später fällt die Bilanz dennoch überwiegend positiv aus. Nach einer enttäuschenden Hinrunde mit lediglich 16 Punkten und Tabellenplatz 15 stabilisierte sich der Berliner Traditionsverein unter Körner deutlich. Das selbst gesteckte Ziel, in der Rückrunde zu den acht besten Mannschaften der Regionalliga Nordost zu gehören, wurde erreicht. Am Ende stand Rang zwölf – keine Platzierung, die den Ansprüchen des BFC gerecht wird, aber ein deutliches Zeichen für die sportliche Entwicklung. Zusätzlich führte Körner die Weinrot-Weißen bis ins Finale des Berliner Landespokals. Dort verpasste der BFC durch eine 1:2-Niederlage nach Verlängerung gegen die VSG Altglienicke allerdings die Krönung einer insgesamt aufsteigenden Saison.

Vertrauensbeweis in den eingeschlagenen Weg

Trotz der verpassten Pokalqualifikation entschieden sich die Verantwortlichen um Sportgeschäftsführer Enis Alushi für Kontinuität. Der Vertrag des 44-Jährigen wurde verlängert – ein klares Signal. Die Gründe dafür liegen weniger in der Tabellenplatzierung als vielmehr in der Entwicklung der Mannschaft. Körner hat begonnen, dem BFC eine erkennbare Identität zu verleihen. Ein Begriff fällt dabei immer wieder: DNA. „Wir wollen dominant auftreten, mit hoher Intensität spielen und das Spiel aktiv gestalten“, lautet die klare Vorstellung des UEFA-A-Lizenz-Inhabers. Ergebnisse seien wichtig, doch langfristig gehe es darum, eine Spielidee zu etablieren, die den Verein nachhaltig prägt.

Während im Sommer 2025 noch ein nahezu kompletter Umbruch vollzogen wurde – 18 Neuzugänge standen damals ebenso vielen Abgängen gegenüber –, fällt die aktuelle Transferperiode deutlich ruhiger aus. „Die Mannschaft ist entwicklungsfähig“, betont Körner. Statt eines erneuten Großumbaus setzen die Verantwortlichen auf punktuelle Verstärkungen und Kontinuität. Gesucht werden gezielt Spielertypen, die sowohl sportlich als auch charakterlich zur gewünschten Ausrichtung passen. Im Zentrum der Planungen steht dabei eine erfahrene Achse. Mit Innenverteidiger Tobias Gunte, Mittelfeldstratege Levin Mattmüller und Torjäger Rufat Dadashov verfügt der BFC über drei Führungsspieler, die als Orientierungspunkte dienen sollen. Rund um dieses Gerüst will Körner eine jüngere, entwicklungsfähige Mannschaft formen.

Drei Neuzugänge für die Zukunft

Die ersten personellen Weichenstellungen sind bereits erfolgt. Mit Califo Baldé verpflichtet der BFC einen offensivstarken Flügelspieler, der die Regionalliga Nordost bestens kennt. Der 26-Jährige kam in der vergangenen Saison für den ZFC Meuselwitz auf 28 Einsätze, vier Tore und drei Vorlagen. Seine fußballerische Ausbildung genoss der Linksfuß unter anderem bei Benfica Lissabon und Vitória Guimarães. Auch im Mittelfeld wurde nachgelegt. Vom Wuppertaler SV kommt der erst 21-jährige Salmin Rebronja. Der robuste Sechser wurde im Nachwuchsleistungszentrum des SC Paderborn ausgebildet und bringt trotz seines jungen Alters bereits 73 Regionalliga-Einsätze mit. Ebenfalls 21 Jahre alt ist Willi Noack, der vom BSV Eintracht Mahlsdorf nach Hohenschönhausen wechselt. Der flexibel einsetzbare Linksfuß wurde bei Union Berlin und Hertha Zehlendorf ausgebildet und überzeugte zuletzt in der Oberliga mit vier Toren sowie 13 Assists.

Die Verpflichtungen zeigen die Richtung: jung, entwicklungsfähig und passend zur gewünschten Spielphilosophie. Die Vorbereitung auf die Saison 2026/27 beginnt am 22. Juni mit der Leistungsdiagnostik im Sportforum Hohenschönhausen. Es folgen mehrere Testspiele, die Schritt für Schritt Belastung und Wettkampfrhythmus erhöhen sollen. Ein besonderes Highlight wartet bereits am 27. Juni: Anlässlich des 60-jährigen Vereinsjubiläums empfängt der BFC den polnischen Erstligisten Pogoń Stettin. An der Seitenlinie wird es dabei eine kleine Veränderung geben. Co-Trainer Maik Aumann verlässt den Verein und steht vor einem Engagement beim MSV Neuruppin. Ein Nachfolger soll bereits feststehen. Torwarttrainer Daniel Haas bleibt dagegen an Bord.

Den schlafenden Riesen wecken

Die Herausforderungen in der Regionalliga Nordost bleiben enorm. Erstmals seit zwei Jahren steigt der Meister der Saison 2026/27 wieder direkt in die 3. Liga auf. Entsprechend groß dürfte die Konkurrenz sein. „Die Liga wird brutal stark“, erwartet Körner. Doch während andere Vereine kompromisslos auf den Aufstieg setzen, verfolgt der BFC einen anderen Weg. Wirtschaftliche Vernunft und sportliche Entwicklung sollen Hand in Hand gehen. Kurzfristige Risiken will man vermeiden. Die Erfahrungen der vergangenen Saison haben gezeigt, wie schmal der Grat zwischen Anspruch und Realität sein kann.

„So eine Saison wollen wir nicht noch einmal spielen. Der Verein hat eine andere Tabellenregion verdient“, sagt Körner. Sportgeschäftsführer Enis Alushi bezeichnete den BFC Dynamo einst als „schlafenden Riesen“. Für Körner liegt der Schlüssel zum Erwachen jedoch nicht in großen Versprechungen. „Euphorie kann man nicht verordnen“, sagt der Trainer. „Sie entsteht durch gute Arbeit, funktionierende Strukturen, wirtschaftliche Stabilität und eine Mannschaft, die eine klare Idee auf den Platz bringt.“ Vor allem die Fans sollen diesen Weg mitgehen. Für den Coach sind sie „das größte Gut des Vereins“. Die Zuschauer im Sportforum sollen eine Mannschaft erleben, die mutig auftritt, dominant agiert und alles für das Trikot investiert. Genau das soll künftig die neue Identität des BFC Dynamo sein.

Ob daraus mittelfristig mehr als ein Platz im gesicherten Mittelfeld wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Nach Jahren der Unruhe setzt der Berliner Traditionsverein erstmals wieder auf Kontinuität. Und auf einen Trainer, der nicht nur Ergebnisse liefern, sondern eine nachhaltige Entwicklung anstoßen soll.