Alles oder nichts in der Relegation zur 3. Liga: 1. FC Lokomotive Leipzig gegen Würzburger Kickers

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Es ist ein Duell mit Vorgeschichte: Der 1. FC Lokomotive Leipzig und die Würzburger Kickers kämpfen in der Relegation zur 3. Liga nicht nur um den Sprung in den Profifußball, sondern vor allem auch gegen die Erinnerungen an früheres Scheitern. Beide Klubs verpassten in den vergangenen Jahren bereits unter teils dramatischen Umständen den Aufstieg in die 3. Liga. Nun treffen zwei Teams aufeinander, die sportlich gereift sind – doch wer behält die Nerven?

1. FC Lokomotive Leipzig und Würzburger Kickers in der Relegation: Ein Blick in die Vergangenheit

Die Erinnerungen an Aufstiegsspiele sind bei beiden Klubs noch schmerzhaft präsent. Für den 1. FC Lokomotive Leipzig endete der Traum vom Aufstieg 2020 auf denkbar bittere Weise: In der pandemiebedingt abgebrochenen Saison zog man zwar über den besten Punktekoeffizienten in die Relegation ein, scheiterte dort jedoch am SC Verl. Nach zwei Unentschieden verpasste Lok den Aufstieg jedoch aufgrund der damals geltenden Auswärtstorregel. Ein später Patzer von Torhüter Fabian Guderitz wurde dabei zum Symbolbild eines tragischen Endes. Auch 2024/25 war das Ziel greifbar nah: Als Regionalliga-Meister ging Lok als Favorit in die Duelle mit dem TSV Havelse, musste sich nach einem 1:1 im Hinspiel jedoch im Rückspiel nach Verlängerung deutlich geschlagen geben.

Auch die Würzburger Kickers kennen die Härte dieser Entscheidungsspiele nur zu gut. In der Saison 2023/24 verpassten sie trotz einer herausragenden Punktausbeute und nur zwei Niederlagen den Aufstieg gegen Hannover 96 II. Nach einem knappen Hinspielsieg fiel die Entscheidung im Rückspiel schließlich im Elfmeterschießen – mit dem besseren Ende für die Niedersachsen. Dabei haben die Kickers auch gegenteilige Erfahrungen gesammelt: 2015 gelang gegen den 1. FC Saarbrücken der Durchbruch, ehe ein Jahr später sogar in der Relegation gegen den MSV Duisburg der Sprung in die 2. Liga gelang.

Trainerstimmen und Situation der Mannschaften

Kickers Würzburg: Selbstbewusst, aber vorsichtig: die Kickers vor dem Aufstiegskampf

Die Würzburger Kickers gehen mit neuem Selbstvertrauen und klarer Mission in die Aufstiegsspiele gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig: Nach Jahren des sportlichen Umbruchs soll die Rückkehr in die 3. Liga gelingen. An der Seitenlinie steht dabei wieder Michael Schiele, unter dem die Unterfranken seit seiner Rückkehr noch ungeschlagen sind.

„Ich bin gekommen, um aufzusteigen“, sagt Schiele mit Blick auf die beiden entscheidenden Partien am Donnerstag und Montag selbstbewusst. Zugleich sieht er die anstehenden Duelle realistisch und dämpft die Erwartungen bewusst: „Das sind 50:50-Spiele.“ Es ist diese Mischung aus Zuversicht und Vorsicht, die den Kickers-Coach derzeit prägt. Seit seiner Rückkehr im März hat sich das Gesicht der Mannschaft verändert: elf Siege aus 13 Spielen, dazu deutlich mehr Klarheit in der Spielanlage und ein wiedergewonnenes Selbstverständnis. Die überraschende Trennung von Coach Marc Reitmair trotz des zu diesem Zeitpunkt dritten Platzes in der Regionalliga Bayern war ein echter Gamechanger. Sicherlich war der Trainerwechsel nicht ohne Risiko, doch intern ist man sich sicher: Die Neuausrichtung ist geglückt. Der Erfolg bis hierher gibt dieser Einschätzung vorerst recht.

Erfahrung bringt der Trainer jedenfalls genug mit. Schon in früheren Stationen führte er Teams in dramatischen Endphasen zum Aufstieg und bewies Nerven aus Stahl. Genau diese werden nun auch in den Duellen mit Leipzig benötigt. Als zusätzlicher Mutmacher dient der jüngste Erfolg im Landespokal, als Würzburg sich im Elfmeterschießen gegen den TSV 1860 München durchsetzen konnte. Gleichzeitig bereitet Schiele seine Mannschaft gezielt auf die emotionale Wucht und die Stimmung im Bruno-Plache-Stadion vor. „Es wäre fatal, wenn wir das nicht machen würden“, sagt er mit Blick auf die Atmosphäre in solchen Spielen. Jeder Spieler müsse wissen, „wie er damit umgeht“. Für die Kickers ist klar: Qualität ist da – jetzt geht es darum, sie im entscheidenden Moment auf den Platz zu bringen.

Auch personell kann der FWK nahezu auf alle Leistungsträger zurückgreifen. Einzig hinter Eroll Zejnullahu steht ein Fragezeichen. Der Mittelfeldmotor wurde eigentlich als erhoffter Unterschiedsspieler nach Würzburg geholt, fehlte jedoch über weite Strecken der Saison verletzungsbedingt und verpasste auch den Endspurt in der Liga. Dennoch könnte er zumindest eine Alternative von der Bank werden und die lauf- und zweikampfstarke Spielweise der Würzburger nach einer möglichen Einwechslung weiter verstärken. Mit Blick auf den Kontrahenten hat Schiele eine klare Vorstellung: „Leipzig wird versuchen, auch mit langen Bällen hinter unsere letzte Linie zu kommen. Darauf müssen wir vorbereitet sein“, warnt der Fußballlehrer.

1. FC Lokomotive Leipzig: „Wir werden die nicht aus dem Stadion knallen“

Ganz unrecht könnte er damit nicht haben, denn Lok-Trainer Jochen Seitz kündigte seinerseits an, auf schnelles Umschaltspiel zu setzen. „Der Plan ist, deren offensive Maschinerie zu stoppen“, so der Coach des 1. FC Lokomotive Leipzig, der vor allem auf Kompaktheit, Intensität und Zweikampfstärke seiner Mannschaft setzt. „Gut dagegen stehen und unsere Intensität auf den Platz bringen“, lautet die zentrale Vorgabe. Seitz kennt die Regionalliga Bayern und ihre Dynamiken aus früheren Stationen genau und hat auch Würzburg intensiv analysiert. „Ich habe sie in vielen Videosequenzen gesehen, das Spiel gegen den TSV 1860 München war keine Überraschung“, sagt er mit Blick auf die Offensivkraft der Kickers. Entsprechend groß sei der Respekt vor dem Gegner.

Er erwarte keineswegs ein Offensivspektakel oder eine frühe Entscheidung nach dem ersten Duell. „In solchen Spielen musst du einfach effektiv sein, so viele Chancen wirst du nicht bekommen“, betont der Trainer des 1. FC Lokomotive Leipzig und stellt klar, dass Geduld gefragt sein wird. Auch eine klare Dominanz im eigenen Stadion schließt er aus. „Dafür ist Würzburg zu stark“, sagt Seitz mit Blick auf die Würzburger Kickers und ergänzt: „Wir werden die nicht aus dem Stadion knallen.“ Vielmehr rechnet er mit zwei engen, taktisch geprägten Spielen, wie sie in Relegationen häufig der Fall sind. „Man sieht es immer wieder in solchen Spielen: Da gibt es im Hinspiel keinen Hurra-Fußball“, so Seitz abschließend.

Personell muss Lok dabei allerdings einige Rückschläge verkraften. Mit den verletzten Jonas Arcalean und Jan-Philipp Stein sowie den bereits feststehenden Abgängen von Laurin von Piechowski und Stefan Maderer fehlen wichtige Optionen. Während Leipzig also mit einem ausgedünnten Kader in die entscheidende Phase geht, kann Würzburg weitgehend aus dem Vollen schöpfen. Doch wer hat das bessere Nervenkostüm?

1. FC Lokomotive Leipzig – Würzburger Kickers

Anstoß: Donnerstag, 28.05., 19:00 Uhr

Spielort: Bruno-Plache-Stadion (Leipzig)