1. FC Phönix Lübeck – Auf Kurs mit Kontinuität und mit Trainer Kevin Wölk?

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Die Saison 2025/26 des 1. FC Phönix Lübeck lässt sich aus sportlicher wie struktureller Sicht als durchaus erfolgreich beschreiben. In der Regionalliga Nord gehörten die Adler erneut zu den besten Teams, und das ist in einem Umfeld mit finanziellen Herausforderungen und sportlich stark aufgestellten Konkurrenten wie Meppen, Drochtersen/Assel, Oldenburg und Jeddeloh II ein starkes Ergebnis, auch wenn der ganz große Sprung nach oben erneut ausblieb. Ganz nach oben reichte es allerdings erneut im Landespokal, den sich Phönix am Samstag gegen den SV Todesfelde sicherte und damit erneut am DFB-Pokal teilnehmen darf.

Konstante Entwicklung trotz starker Konkurrenz

Der fünfte Tabellenplatz wirkt auf den ersten Blick unspektakulär, ist in der Gesamtbetrachtung jedoch Ausdruck einer stabilen Entwicklung. Phönix hat sich über die letzten Jahre im oberen Drittel der Liga etabliert. Auffällig ist dabei insbesondere der starke Schlussspurt nach der überraschenden Trennung von Trainer Cristiano Adigo: Die letzten Spiele wurden allesamt gewonnen.

An der Travemünder Allee zeigt man sich entsprechend zufrieden. Sportchef Frank Salomon betonte: „Dass wir zum dritten Mal in Folge zu den Top-5-Teams der Abschlusstabelle zählen – und das unter den nach wie vor herausfordernden Bedingungen beim 1. FC Phönix Lübeck – ist eine starke Leistung. Besonders positiv ist, dass wir die letzten fünf Spiele allesamt gewinnen konnten.“ Salomon führt nach dem Trainerwechsel die sportliche Entwicklung gemeinsam mit U23-Trainer Kevin Wölk, der im Verlauf der Saison zusätzlich Verantwortung übernahm.

Parallel dazu untermauert der erneute Landespokal-Erfolg die Bedeutung des Vereins im regionalen Wettbewerb. Der klare 4:1-Sieg im Finale gegen den SV Todesfelde bestätigt nicht nur die spielerische Qualität, sondern auch die Fähigkeit, in entscheidenden Spielen dominant aufzutreten. Die erneute Qualifikation für den DFB-Pokal ist dabei sportlich wie wirtschaftlich ein zentraler Baustein für die kommende Saison.

Gezielte Verstärkungen statt Umbruch

Für die Saison 2026/27 setzt Phönix klar auf punktuelle Verstärkungen statt eines radikalen Umbruchs. Besonders interessant ist dabei die Mischung aus externen Neuzugängen und Spielern aus der eigenen Jugend. Mit Ousman Touray (FSV Schöningen) kommt ein Spieler, der vor allem Tiefe und Dynamik ins Mittelfeld bringen soll.

Noch prominenter wirken die Verpflichtungen von Julian Boccaccio (VfB Oldenburg) und Daniel Haritonov (SV Meppen), die beide bereits in der abgelaufenen Saison bewiesen haben, dass sie sowohl Scoring-Potenzial als auch spielerische Verantwortung übernehmen können. Boccaccio kam in 31 Einsätzen für den VfB auf acht Tore und 15 Assists. Ähnlich stark präsentierte sich Haritonov beim SVM. Der 26-jährige Linksverteidiger besitzt einen großen Offensivdrang und kam in 29 Spielen auf ein Tor und fünf Vorlagen. Ergänzt wird das Quartett der Neuzugänge bis dato durch Moritz Kretzer (FC Eilenburg), der zusätzliche Optionen im Kadergefüge bieten soll.

Diese Transfers sind Teil einer cleveren Kaderplanung, um das bereits funktionierende Gerüst weiter zu verstärken und die Adler weiter und möglicherweise noch besser in der Liga zu platzieren. Phönix bleibt durch die vier ablösefreien Neuzugänge seiner Linie treu: entwicklungsfähige Spieler, die mit ihrer Qualität sofort Impact liefern können, zu integrieren. Gleichzeitig wurden mit Joshua Krüger, Julian Markvoort und Philippe Markvoort wichtige Verträge frühzeitig verlängert. Auch das spricht für eine bewusst gewählte Kontinuität.

Trainerfrage: Kontinuität statt Experiment

Beim Thema Kontinuität fällt die Entlassung von Cheftrainer Cristiano Adigo wenige Spieltage vor Saisonschluss natürlich ins Gewicht. Im Zentrum der sportlichen Weichenstellung steht jedoch die Personalie Kevin Wölk. Der frühere U23-Trainer übernahm in der Rückrunde interimsweise den Posten gemeinsam mit Sportchef Salomon – und überzeugte auf ganzer Linie. Unter seiner Leitung gewann Phönix nicht nur alle verbleibenden Ligaspiele, sondern auch den Landespokal.

Diese Bilanz ist sportlich kaum zu überbieten und liefert ein starkes Argument für eine dauerhafte Lösung. Wölk hat offenbar nicht nur kurzfristig Stabilität geschaffen, sondern auch die Mannschaft inhaltlich erreicht: klare Struktur im Spiel, stabile Defensive und gleichzeitig eine funktionierende Offensive. Gerade in einem Umfeld, in dem Phönix keine finanziellen Möglichkeiten für große Experimente hat, ist ein funktionierender interner Übergangstrainer oft mehr wert als ein externer Name mit Fragezeichen.

Dieser gibt sich jedoch bewusst zurückhaltend. Angesprochen auf seinen Wunschgegner im DFB-Pokal sagte er: „Erst einmal muss ich dann auch Trainer sein oder zum Kader gehören. Wir haben aber von Anfang an gesagt, dass wir nächste Woche darüber sprechen. Dementsprechend muss ich abwarten, was jetzt passiert.“ Ein Spiel gegen den großen Rivalen aus der Bundesliga, den Hamburger SV, fände er aber „geil“. Bleibt also abzuwarten, ob der Höhenflug der Adler mit Wölk an der Seitenlinie weitergeht oder ob eine andere Personalie den 1. FC Phönix Lübeck auf dem Weg der Entwicklung weiterführt.