Stagnation statt Entwicklung – 1. FC Bocholt trennt sich von René Lewejohann

43

Der 1. FC Bocholt hat sich von Cheftrainer René Lewejohann getrennt und damit zur neuen Saison der Regionalliga West einen konsequenten Schnitt gesetzt. Offiziell spricht der Klub von einer „fehlenden sportlichen Entwicklung“ und dem Wunsch nach neuen Impulsen. Lewejohann, der erst zu Beginn des Jahres den Posten am Hünting übernommen hatte, sollte den Schwung für die zweite Saisonhälfte bringen – dieser Blieb jedoch aus.

1. FC Bocholt: Ernüchternde Bilanz führt zum Umdenken

Die Bilanz nach 16 Spielen fällt allerdings ernüchternd aus: vier Siege, fünf Niederlagen und sieben Unentschieden. Vor allem der Blick auf die Entwicklung der Spielidee zeigt, warum sich die Verantwortlichen letztlich für den Cut entschieden haben.

„Wir haben uns diese Entscheidung alles andere als leicht gemacht“, betont Präsident Ludger Triphaus mit Blick auf die Trennung von Trainer René Lewejohann. Der 1. FC Bocholt würdigt dabei ausdrücklich das Engagement des 42-Jährigen, der sich „in den vergangenen Monaten mit großem Einsatz und voller Identifikation für den Verein eingesetzt“ habe. Dafür gebühre ihm „ausdrücklicher Dank“.

Gleichzeitig sei nach einer „ehrlichen Analyse“ der sportlichen Entwicklung jedoch klar geworden, dass der Klub „für die kommende Saison neue Akzente setzen“ müsse, so Triphaus weiter. Vor dem Hintergrund wachsender Strukturen und steigender Ambitionen – von neuen Tribünen über Investitionen in die Infrastruktur bis hin zur großen Unterstützung der Fans – wolle man die „nächste Entwicklungsstufe des Vereins“ erreichen. Dafür brauche es „auf sportlicher Ebene einen neuen Impuls“, heißt es aus der Vereinsführung.

Man sei „zu dem Ergebnis gekommen, dass die erhoffte sportliche Entwicklung ausgeblieben ist“, so Sport-Geschäftsführer Christopher Schorch. Auch die Rückrunde habe „insgesamt nicht so verlaufen, wie wir uns das vorgestellt haben“. Vor diesem Hintergrund sei der Klub überzeugt gewesen, dass „eine Veränderung auf der Trainerposition notwendig ist“.

Taktische Fragezeichen begleiten Lewejohann

Und die Zahlen geben dem Geschäftsführer Sport Recht. Nicht nur, dass vier Siege aus 16 Spielen für die Ansprüche des Vereins zu wenig sind, auch durch seinen taktischen Ansatz hinterlässt Lewejohann ein großes Fragezeichen. Auffällig war unter Lewejohann vor allem die starke Ausrichtung auf eine Dreierkette. In neun der 16 Spiele ließ er Bocholt in diesem System antreten – mit magerem Erfolg. Lediglich ein Sieg sprang aus diesen Partien heraus. Zwar bot die Dreierkette phasenweise mehr Absicherung im Zentrum und sollte vermutlich die Defensive stabilisieren, doch im Spiel nach vorne blieb der Effekt begrenzt. Oft wirkte die Mannschaft in dieser Formation weniger strukturiert und offenbarte große Lücken.

Interessant wird der Vergleich zur Fünferkette, die seltener, aber deutlich erfolgreicher zum Einsatz kam: Drei der vier Saisonsiege unter Lewejohann fielen in genau dieses System. In der Fünferkette gelang es Bocholt häufiger, kompakt zu stehen und über Umschaltmomente gefährlich zu werden – ein Ansatz, der besser zu den vorhandenen Spielertypen zu passen schien als der kontrolliertere Aufbau im 3-4-2-1 oder das noch offensivere 3-4-3. Bleibt also die Frage, weshalb Lewejohann in den letzten sechs Spielen auf die Dreierkette vertraute, in denen er keinen Sieg holen konnte.

Das größere Problem lag jedoch weniger im reinen Systemwechsel, sondern in der fehlenden Weiterentwicklung im Ballbesitzspiel. Trotz wechselnder Grundordnungen hatten die gegnerischen Mannschaften kaum Probleme, sich auf das Spiel des 1. FC Bocholt einzustellen. Im vorderen Spieldrittel fanden die Bocholter unter Lewejohann zudem kaum kreative Lösungen. Gerade in einer Liga wie der Regionalliga West, in der intensives Anlaufen und großer Kampf im Vordergrund stehen, braucht es klare spielerische Ideen, um Druckphasen zu überstehen. Diese klare Handschrift war unter Lewejohann jedoch nur phasenweise erkennbar.

Nachfolger kommt aus Lübeck

Noch am Donnerstag betonten die „Schwatten, dass sich der Verein in fortgeschrittenen Gesprächen befinde und man zuversichtlich sei, „zeitnah eine Lösung präsentieren zu können“. Mit dieser Aussage sollten sie Recht behalten, denn schon kurz nach der Trennung von Cheftrainer Lewejohann ist dessen Nachfolge geregelt. Zur neuen Saison übernimmt Guerino Capretti die Verantwortung an der Seitenlinie der „Schwatten“. Der Fußball-Lehrer war zuletzt beim VfB Lübeck tätig, wo er jedoch am Tag der Bocholter Trainerentscheidung auf eigenen Wunsch zurückgetreten war. Nun wechselt er an den Hünting und soll den Regionalligisten sportlich neu ausrichten. Unterstützt wird Capretti dabei weiterhin von seinem bisherigen Assistenten Pierre Becken.

Capretti bringt reichlich Erfahrung aus dem Profifußball mit nach Bocholt. In seiner bisherigen Trainerkarriere stand der 44-Jährige unter anderem beim FC Ingolstadt und beim SC Verl in der 3. Liga sowie kurzzeitig bei Dynamo Dresden in der 2. Bundesliga an der Seitenlinie. Besonders beim VfB Lübeck überzeugte er trotz schwieriger Rahmenbedingungen mit stabilen Leistungen nach dem Abstieg aus der 3. Liga. Beim 1. FC Bocholt sieht die Vereinsführung in der Verpflichtung einen wichtigen Schritt für die weitere Entwicklung. Präsident Ludger Triphaus spricht von einem „echten Transfercoup“ und betont, dass Capretti mit seiner Erfahrung und seinem Ruf ein starkes Zeichen für den eingeschlagenen Weg des Klubs setze.