Niklas Hoffmann, Jonas Arweiler und Evan Brown bringen Erfahrung aus dem Profifußball mit und verstärken den 1. FC Köln II deutlich. Mit Spielern dieser Qualität in den eigenen Reihen gehört jede Mannschaft automatisch zu den Spitzenteams der Regionalliga West. Doch die U 21 des 1. FC Köln verfolgt mit ihren Verstärkungen keinen kurzfristigen Angriff auf die Regionalliga-Spitze. Der Blick am Geißbockheim geht über die Regionalliga hinaus und richtet sich auf die Entwicklung junger Talente. Die Zugehörigkeit zur 3. Liga würde zwar eine zusätzliche Plattform bieten, der eigentliche Auftrag bleibt jedoch die Vorbereitung auf den Profikader. Mike Afri Akumu liefert dafür ein aktuelles Beispiel: An seinem 18. Geburtstag stand der Offensivspieler bereits mit der ersten Mannschaft auf dem Trainingsplatz.
Erfahrung für den Nachwuchs
Sportlich muss der neue Cheftrainer des 1. FC Köln II, Manuel Hartmann, künftig auf einige Leistungsträger verzichten. Stammspieler Mikail Özkan, der erfahrene Sargis Adamyan und der zu Hansa Rostock gewechselte Bernie Lennemann stehen nicht mehr zur Verfügung. Gleichzeitig hat der FC die U 21 mit Spielern verstärkt, die bereits reichlich Erfahrung im Profibereich gesammelt haben.
Besonders die Verpflichtungen von Niklas Hoffmann und Jonas Arweiler sorgten für Aufmerksamkeit. Innenverteidiger Hoffmann absolvierte in der vergangenen Saison 35 Partien in der 3. Liga für Waldhof Mannheim, davon 32 als Starter. Arweiler kam für den SC Verl ebenfalls auf 35 Einsätze und erzielte dabei 14 Treffer. Beide entschieden sich trotz ihres Alters von 29 Jahren für den Schritt zurück in die Regionalliga West.
Für den Technischen Direktor Lukas Berg ist dieser Schritt nachvollziehbar: „Wir haben den beiden einen sehr klaren sportlichen Plan aufgezeigt, verbunden mit einer klaren Auffassung, wie ihre Rollen gestaltet sind und welche Verantwortung sie tragen.“ Dabei gehe es nicht nur um die Leistungen auf dem Platz. Hoffmann und Arweiler sollen auch „charakterlich und außersportlich“ dabei helfen, die Entwicklung der jüngeren Spieler voranzutreiben.
An Erfahrung mangelt es dem Duo nicht. Arweiler sammelte bereits Erstliga-Erfahrung in Österreich und den Niederlanden, traf zudem in 87 Zweitliga-Spielen 25-mal und kommt auf 63 Einsätze sowie 17 Tore in der 3. Liga. Hoffmann bringt ebenfalls eine breite Vita mit: Neben 86 Drittligapartien lief der Innenverteidiger auch in der deutschen und österreichischen 2. Liga auf.
Ausbildung im Fokus des 1. FC Köln II
Die Erfahrung der beiden Akteure soll also nicht nur die Qualität im Spiel der Kölner verbessern, sondern vor allem den jüngeren Spielern zugutekommen. Mit Evan Brown hat der 1. FC Köln II einen Spieler verpflichtet, der beides verkörpert. Mit gerade einmal 19 Jahren gehört Brown zu den jüngsten Talenten im Kader der U 21 und kann dennoch bereits auf Erfahrung im Profibereich zurückblicken. Der Linksaußen kam ablösefrei vom SSV Ulm und absolvierte dort in der vergangenen Saison seine ersten 13 Einsätze in der 3. Liga.
Für den Technischen Direktor Lukas Berg steht beim Kanadier jedoch nicht der kurzfristige Erfolg im Vordergrund, sondern die langfristige Entwicklung. „Er ist ein sehr talentierter Junge, der aber erst ein Jahr in Deutschland spielt und aus Kanada kommt. Dementsprechend hat er vergleichsweise weniger Ausbildung auf hohem Niveau genossen“, erklärt Berg. Der Plan sei, Brown „auf das Niveau heranzuführen, auf dem er sowohl physisch als auch fußballerisch sein Potenzial entfalten kann“. Diese Philosophie gilt nicht nur für den Neuzugang. „Wir haben den Anspruch, so gut wie möglich auszubilden“, betont Berg.
Dass der FC diesen Weg konsequent verfolgt, zeigt sich auch bei Spielern aus der eigenen Jugend. Neben vier Spielern aus dem A-Junioren-Jahrgang rückten mit Linksaußen Mike Afri Akumu und Innenverteidiger Assad Kotya-Fofana zwei Akteure des Jahrgangs 2008 vorzeitig in die U 21 auf – obwohl sie noch für die U 19 spielberechtigt wären. „Wir bewerten die Jungs nicht nach ihrem Alter, sondern nach ihrer Leistungsfähigkeit“.
Vor allem Kotya-Fofana mit seinen mittlerweile 1,96 Metern Körpergröße hätte in der U 19 kaum noch neue Entwicklungsschritte machen können. „Das hätte keinen Sinn ergeben“, sagt Berg und betont, wie wichtig der richtige Zeitpunkt für den nächsten Entwicklungsschritt sei. Auch Akumu erhielt neue Reize: Der Offensivspieler, den Köln vor einem Jahr von Hertha BSC verpflichtete, trainierte an seinem 18. Geburtstag erstmals bei den Profis mit.
Aufstieg bleibt eine Option
Ein Sprung in die 3. Liga wäre für die Entwicklung der Spieler natürlich reizvoll, denn die dritthöchste Spielklasse bietet aufgrund der höheren Qualität eine noch größere Plattform zur Ausbildung der Talente. Berg hätte deshalb nichts gegen einen Aufstieg einzuwenden: „Wir werden uns also nicht dagegen wehren, in die 3. Liga aufzusteigen, wenn sich die Möglichkeit ergibt.“ Die Prioritäten sind für den 32-Jährigen dennoch klar: „Die individuelle Entwicklung der Einzelspieler ist immer höher zu gewichten als der Tabellenplatz“, so der Technische Direktor.


