Neustart bei Kickers Emden im Sommer: Offensivgeist ersetzt Umschaltspiel

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Kickers Emden drückt zur neuen Saison den Reset-Knopf – und diesmal ziemlich radikal, aber „ganz bewusst“. Mit dem Abschied von Stefan Emmerling endet eine Ära, in der er den Klub von der Oberliga in die Regionalliga geführt und dort stabilisiert hat. Mit Björn Lindemann weht jetzt ein frischer Wind in der Hafenstadt. Statt Umschaltspiel heißt es in Zukunft, selbst durch ballbesitzorientiertes Spiel den Gegner laufen zu lassen und in die Defensive zu drängen. In Emden steht also eine Generalüberholung des Spielsystems an.

Kickers Emden: Lindemanns offensiver Ansatz trifft auf Emmerlings Stabilität

Fünf Jahre lang stand Stefan Emmerling für eine kompakte Grundordnung, für defensive Struktur, für das klassische Abwarten. Doch ab Sommer übernimmt Björn Lindemann, zuletzt beim Ligakonkurrenten SSV Jeddeloh II, und mit ihm bekommt die Mannschaft eine neue Vorstellung von Fußball. Plötzlich geht es um Mut, Tempo, Gegenpressing, moderne Strukturen und eine neue Kickers-DNA, die nicht nur funktionieren, sondern begeistern soll. Wer Lindemanns Jeddeloh gesehen hat, weiß: Dieser Trainer hat Lust auf Offensivfußball. Mit dem drittstärksten Angriff der Regionalliga Nord führte er den SSV auf Rang drei.

Und genau da liegen die größten Unterschiede der beiden Trainer. Emmerling ist auf defensive Kompaktheit und Struktur bedacht. Seine Mannschaft schickte er in klaren Grundformationen auf den Platz, meistens im 4-2-3-1 oder 4-4-2, tief gestaffelt, mit Fokus auf Absicherung und Stabilität. Das machte es den Gegnern schwer, die Kickers-Abwehr zu knacken, schränkte aber auch die Kreativität in der Offensive ein.

Lindemann dagegen steht eher für den dynamischen, vielleicht auch moderneren Ansatz und haucht seiner Mannschaft einen funktionierenden Offensivgeist ein. Im 4-3-3 oder im Angriff auch gerne in einer Dreierkette agierend, erwartet er eine hohe Intensität und Laufbereitschaft. Seine Spieler müssen immer hellwach sein und offensiv denken. Hohe Einsatzbereitschaft? Ja, bitte. Mut im Aufbau? Unbedingt. Gegenpressing? Ohne geht’s nicht. Er lebt Intensität, fordert Kreativität und Aktivität. In seiner – für Emden neuen – Ausrichtung möchte er die Kickers spielerisch und strukturell modernisieren.

In Verhandlung – Schlüsselspieler für den Umbruch

Damit dieser Weg funktioniert, braucht es allerdings Spieler, die sowohl die Vereinsidentität im Blut haben als auch offen für die „neue DNA“ sind. Und genau an diesem Punkt werden zwei Namen enorm wichtig, die derzeit noch in Verhandlungen zur Vertragsverlängerung stehen: Tido Steffens und Marvin Eilerts. Steffens ist das, was man ein „Mentalitätsmonster“ nennt. Einer, der läuft, der presst, der Zweikämpfe sucht und der sein Herz auf dem Platz lässt. Genau solche Spieler braucht Lindemann, der von seinem Team aggressives Anlaufen und mutiges Offensivspiel erwartet. Steffens bringt Intensität und Identifikation gleichermaßen mit – ein Spieler, der im Umbruch eine Schlüsselrolle einnehmen kann.

Doch nicht nur er allein könnte dafür sorgen, dass der Neustart in Emden ein Erfolg wird, denn mit Eilerts haben die Kickers das passende Gegenstück. Während Steffens der Mittelfeldmotor ist, ist Eilerts der kreative Verbindungsspieler, der die Bälle fordert, die Halbräume bespielt und den neuen spielerischen Ansatz überhaupt erst möglich macht. In seinem Spiel lässt er sich gerne fallen und findet durch seine große Übersicht auch Lösungen unter Druck.

Für die Art von Fußball, die Lindemann vorschwebt, braucht es genau diesen Spielertypen: technisch sauber, gedankenschnell, vielseitig einsetzbar. Gemeinsam können sie die, wie es Lindemann nennt, „neue DNA“ vorantreiben. Der Reset in Emden fühlt sich also nicht nach einem radikalen Cut an, sondern nach einem strukturierten Wandel. Das von Emmerling implantierte Spielverständnis wird nicht über Bord geworfen, sondern weiterentwickelt. Seine solide Basis trifft jetzt auf Lindemanns mutige Herangehensweise. Wenn die Mischung stimmt und die Mannschaft den neuen Stil annimmt, könnte dieser Sommer tatsächlich der Startpunkt einer neuen Kickers-Ära werden.